Partikel: DUH fordert Verkaufsstopp für Benzin-Smarts

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Die DUH prangert die Benzinmodelle des Stadt-Kleinstwagens smart an. Foto: Daimler/dpp-AutoReporter

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in einem Schreiben den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, Dieter Zetsche, aufgefordert, den Verkauf aller Smart mit Benzinmotor mit sofortiger Wirkung einzustellen. Grund dafür sei der extrem hohe Partikelausstoß der Fahrzeuge im realen Fahrbetrieb. Bei Straßenmessungen der DUH mit einem portablen Partikelanzahlmessgerät (TSI P-TRAK 8525) wurde in Berlin im April 2017 direkt hinter einem Smart fortwo 0.9 Turbo (Euro 6 - 66 kW/90 PS) des Daimler-Autovermieters car2go der Rekordwert von 440.000 Partikeln pro cm³ gemessen. „Ich habe schon viele schlechte Werte gesehen, aber solche Werte findet man sonst nur in den Abgasfahnen von Kreuzfahrtschiffen", so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Die Daimler AG verkaufe mit dem Smart fortwo 0.9 Turbo den europaweit am schmutzigsten gemessenen Pkw bei den Rußpartikel-Emissionen, um schätzungsweise 50 Euro Kosten in der Abgasreinigung zu sparen.

Die DUH verlangt von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Entzug der Typzulassung für den als ‚Stadtauto‘ beworbenen Euro 6 Benzin-Smart angesichts bis zu 440-facher Überschreitung der Laborgrenzwerte von Diesel-Pkw. Außerdem müsse Daimler ein Rückrufprogramm für alle bisher verkauften Smart und Nachbesserung der Abgasreinigung starten.

 

Daimlers Autovermietung/Carsharer car2go setzt die DUH ein ‚Ultimatum‘, bis Monatsende zur Stilllegung der innerstädtisch betriebenen ungefilterten Smart-Flotten in Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und dem Rheinland.

 

Alarmierende Messwerte hatte auch der ADAC auf dem Labor-Rollenprüfstand für den Smart fortwo 0.9 turbo ermittelt. Er sei ‚Schlusslicht beim Partikelausstoß‘, für ein Stadtauto seien die Werte ‚untragbar‘, so der ADAC. Nach dem aktuell geltenden Prüfverfahren WLTC wurden 44,6 mg/km gemessen. Dies stellt eine Überschreitung des Euro 6 Grenzwerts für Diesel-Pkw um das 10-fache dar. Noch drastischer fällt die Überschreitung bei der Betrachtung der Partikelanzahl aus: Die gemessene Partikelanzahl betrug 8284 Milliarden Partikel pro km. Dies stellt eine Überschreitung des Euro 6 Grenzwerts für Diesel-Pkw um das 14-fache dar.

 

Extrem waren die Partikelemissionen auch im ADAC-Motorway Labortest: Die hier ermittelte Partikelmasse übersteigt den Grenzwert von 4,5 mg/km für Euro 6 Diesel-Pkw mit 136,1 mg/km um das 30-fache. Der Grenzwert für die Partikelanzahl bei Diesel-Pkw Euro 6 wird mit 263.084 Milliarden Partikel pro km um das 440-fache überschritten. (dpp-AutoReporter/wpr)